• Katja @ coitoergosum

#MeetTheScientist - wissenschaftliche Arbeiten über Sexualität der Ergotherapie

Bachelor-Arbeiten sind in der Regel dazu da, sich erstmals im wissenschaftlichen Arbeiten zu üben und klassischer Weise danach in der Hochschulbibliothek zu verstauben. Wenn man Glück hat, zieht irgendwann nochmal jemand das eigene erste (und öfter auch letzte) Forschungswerk aus den staubigen Katakomben, aber das war´s dann meist . Ich empfinde das nicht nur als unendlich große Zeit- und Ressourcenverschwendung, sondern auch als verpasste Chance, wirklich gut aufbereitete Arbeiten vorzustellen.


Ich selbst habe den Moment irgendwie

verpasst, meine Arbeit in einer Fachzeitschrift zu veröffentlichen - daher mache ich mal den ersten Schritt auf die Bühne meiner neuen Kategorie #Meetthescientist Hier werde ich Euch künftig tolle Autor:innen und deren Arbeiten vorstellen, die sich rund um das Thema Sexualität in der Ergotherapie drehen.


Hierfür führe ich Interviews mit Autor:innen wissenschaftlicher Arbeiten. Du kennst jemanden, der:die eine wissenschaftliche Arbeit zum Thema Sexualität geschrieben hat und hier unbedingt zur Sprache kommen sollte ? Dann melde Dich gern bei mir - ich freu mich über Zuwachs!


Loslegen tue ich heute mit meiner Arbeit "Let´s talk about Sex - Sexualität als bedeutungsvolle Betätigung im Kontext der Ergotherapie."


Wer bist Du und was machst Du?

Katja, Jahrgang ´87, B.Sc. Ergotherapeutin und leidenschaftliche Sexualpädagogin aus Berlin.

Du hast eine wissenschaftliche Arbeit über Sexualität in der Ergotherapie geschrieben. Wie lautete der Titel?

Achtung sperrig, weil Wissenschaft: „Let´s talk about Sex - Sexualität als bedeutungsvolle Betätigung im Kontext der Ergotherapie“ Noch Fragen?!

(Auf dem Bild sehen Sie mich, stolz wie Bolle, am Tag meiner Bachelor-Verleihung und nach Empfang meines Preises für die beste Arbeit an der ASH-Berlin im Bereich Diversity. Kann man ja auch einfach mal erwähnen.)


Wie bist Du auf Dein Thema gekommen?

„Ich bin doch keine Sexualtherapeutin“, meinte meine Anleiterin im Praktikum, als eine Klientin in der Arbeitstherapie ihre sexuelle Unlust ansprechen wollte. Ich fragte mich damals, woher die ganze Scham und Angst kam und dachte: mit welchem Thema kann ich wohl besser die nächsten Monate verbringen?!

In 2-3 Sätzen: was hast Du herausgefunden?

Sexualität ist ein Tabu in: der Ergotherapie, Physiotherapie, Medizin, Pflege… sagen wir: in den Gesundheitsberufen generell.

Dahinter steckt vor allem ein strukturelles Problem: es ist in den Berufsgesetzen nicht verankert, daher nimmt sich in Ausbildung & Studium kaum jemand der Thematik an und, Achtung: Was in der Theorie nicht vorkommt, schafft auch den Weg nicht in die Praxis. Ergo: Sexuelle Bildung müsste als fester Bestandteil über die Berufegesetze verankert werden, damit es den Weg über die Basis in die Berufe schafft. Oder es müssen sich Mutige finden, die das umgehen und laut genug immer wieder davon sprechen. So wie ich :)

Gab es Überraschungen oder völlig neue Erkenntnisse für Dich?

Ehrlich gesagt gibt es jeden Tag wieder Überraschungen, weil sexuelle Bildung lebenslang stattfindet. Das war vermutlich am Neuesten für mich und lässt mich immer entspannt zurück lehnen, wenn ich wieder etwas Neues über Sexualität lerne. Denn es wird sicher nicht das letzte gewesen sein. Und das macht Spaß!

Any Fun Facts?

Ficken, rammeln, oymeln, bumsen - die Liste der Worte zum „Liebe machen“ ist so lang, ich hätte mich drin einwickeln können. Ich finde den sprachlichen Aspekt von Sexualität wahnsinnig spannend und unfassbar unterhaltsam manchmal.

(Für die Bananen-Donut-Bordüre gab es übrigens eine Rüge in der Bewertung, "das sei nicht wissenschaftlich genug". DAS sehe ich anders - sie ist geblieben.)


Hat Deine Arbeit Dich in Deiner jetzigen Tätigkeit beeinflusst?

Ja, sehr. Ich bin zwar primär Ergotherapeutin, aber meine Leidenschaft gilt der Sexualpädagogik. Ich liebe es, Menschen Neues über Sexualität beizubringen und zu beobachten wie sich Haltungen und Vorstellungen entwickeln. In meiner praktischen Arbeit im IBZ Berlin kann ich diese Leidenschaft auch praktisch mit einbringen und berate dort auch Patient:innen zu ihrer Sexualität. Über Lehraufträge an Hochschulen bleibe ich in Kontakt mit denen, die am sichersten sind, wenn sie sich frühstmöglich mit dem Thema befassen.

Hast Du Empfehlungen für Therapeut:innen, die Du aus Deiner Arbeit ableiten kannst?

Klar: alles was man neben der Neugierde für das Thema braucht, ist eigentlich der Mut, es anzusprechen und sich inhaltlich damit auseinanderzusetzen. Der Rest kommt dann automatisch. Also traut Euch :)

Was würdest Du Dir für die Zukunft wünschen?

Dass wir uns alle ein bisschen mehr trauen, über sexuelle Bedürfnisse zu sprechen. Dann wird’s für alle leichter und keiner muss sich mehr komisch fühlen, wenn das Thema auf den Tisch kommt.



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