top of page

Coitoergosum bekommt Zuwachs - Sagt hallo zu Sophia Loddenkemper

  • Autorenbild: Katja @ coitoergosum
    Katja @ coitoergosum
  • vor 11 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit

Zugegeben - es hat eine Weile gedauert bis ich mich bereit gefühlt habe, eine Mitarbeitende Person anzustellen. Und Sophia war hartnäckig und hatte einen langen Atem - das hat sich ausgezahlt :) Seit Ende 2025 unterstützt sie mich bei Coitoergosum rund um Fortbildungen, Social Media und ist Sparrings Partnerin bei mal größeren und kleineren Entscheidungen - danke dafür leibe Sophia :)


An dieser Stelle möchte ich Sie Euch einmal kurz vorstellen - also sagt hallo zu Sophia :)


Katja Stolte (liks) und Sophia Loddenkemper (rechts)
Sophia und ich beim Meeting unter freiem Himmel

Wer bist Du und was machst Du?

Ich bin Sophia Loddenkemper und Ergotherapeutin. Ich arbeite gerade in einer ergotherapeutischen Praxis im neurologischen und psychisch-funktionellen Bereich - und nebenbei hier bei Coitoergosum :-) Fachlich gesehen ist Ethik in der Ergotherapie bzw. die Anbahnung ethischer Kompetenz vermutlich mein absolutes Herzensthema. 


Wie sah Deine bisherige ergotherapeutische Laufbahn aus?

Ich habe Ergotherapie dual in Osnabrück studiert und anschließend vor allem in der Neurologie gearbeitet. 2022 bin ich nach Berlin gekommen um „Health Professions Education“ im Master an der Charité zu studieren. Zwischendurch habe ich immer mal wieder ein paar Stunden in der Ergotherapie gearbeitet und auch, wenn mir die Arbeit viel Spaß gemacht hat, hatte ich doch das Gefühl, dass irgendwas fehlt. Ich habe dann den Bereich Sexualität & psychische Gesundheit für mich entdeckt und beschlossen, dass ich mich fachlich nochmal umorientieren möchte. Da bin ich nun mittendrin und seit zwei Monaten auch im psychisch funktionellen Bereich tätig.


Was hat Dich motiviert, Ergotherapeutin zu werden?

Wenn ich so an damals denke, dann wusste ich auf jeden Fall noch nicht, was Ergotherapie eigentlich ist. Ein Freund hatte die Ausbildung angefangen, geschwärmt, und ich wollte unbedingt weg vom Schreibtisch meiner ersten Ausbildung und endlich was mit Menschen machen.


Was mich motiviert hat dabei zu bleiben, war die Erkenntnis, dass es wirklich ein wunderschöner und vielfältiger Beruf ist, der enormen Gestaltungsspielraum mitbringt. Er hat mir dadurch ermöglicht, meine Nische zu finden und meine beruflichen Interessen miteinander zu verbinden - und fühlt sich für mich daher einfach sehr erfüllend an.


Person von hinten mit Occupational Therapy T-Shirt

Du hast Dich vor gut einem halben Jahr bei coitoergosum beworben - was war Deine Motivation?

Wenn man es ganz genau nimmt, habe ich mich sogar schon vor 2 1/2 Jahren (Anmerkung der Redaktion: upsi :D) zum ersten Mal bei dir beworben. Damals habe ich mich im Rahmen einer Unterrichtsvorbereitung zum Krankheitsbild MS erstmals mit dem Thema Sexualität in der Ergotherapie beschäftigt und es kurz angerissen. Bei den Lernenden kamen ganz viele Fragen auf - ich habe gemerkt, dass ich selbst eigentlich keine Ahnung hatte, und gleichzeitig sind mir immer mehr Beispiele eingefallen, bei denen eigentlich alles danach geschrien hat, Sexualität explizit zu thematisieren - und es stattdessen trotzdem weggelächelt oder weggeschoben wurde.


Ich dachte, dass ich in meiner eigenen Praxis gerne Raum dafür schaffen würde, wusste aber nicht genau, wo und wie ich anfangen soll. Coitoergosum hat für mich das Thema auf eine Art behandelt, die mich total abgeholt und überzeugt hat - fachlich fundiert und ohne Scham.



Person hält Schild mit "Healthy Boundaries"

Was interessiert / Fasziniert Dich an dem Thema Sexualität?

Ich glaube was mich so fasziniert ist unter anderem, dass es eins von den Themen ist, bei denen es manchmal zwar natürlich ganz klare Grenzen gibt - rechtlich, ethisch, Dinge die nicht in Ordnung oder schlicht verboten sind - aber das gleichzeitig auch so individuell ist, wie die Menschen selbst … und ich immer mehr das Gefühl bekomme, dass es diese vermeintliche Norm für viele von uns vielleicht gar nicht so gibt. Und so gerne ich manchmal eindeutige Antworten habe, so finde ich es mindestens genau so toll, die eben nicht zu haben - einfach weil es sie nicht gibt. Kein richtig und kein falsch (as long as it‘s consensual) fühlt sich für mich auf eine Art auch sehr befreiend an.


Und vielleicht liegt’s auch ein kleines bisschen daran, dass ich auch einfach „Tabus“ mag. 

Du bist ja nicht nur Therapeutin, Du bist auch Lehrende - hast Du einen bestimmten Schwerpunkt und inwiefern gibt es eine Schnittmenge zur sexpositiven Ergotherapie?

Sexpositivität bedeutet ja eigentlich nur, Sexualität offen und wertfrei zu begegnen und sie als festen Bestandteil des Lebens wahrzunehmen - was auch immer das für die einzelne Person bedeuten mag. Und ich glaube, das ist etwas, was mir grundsätzlich sehr wichtig ist und das man als Haltung auf vieles übertragen kann. Ganz frei von Annahmen und ersten Gedanken kann man sich, denke ich, natürlich nur schwer machen - aber, dass diese Annahmen nicht direkt mein Verhalten beeinflussen müssen, dass ich jedem Menschen dieselbe Chance gebe, ist mir wichtig oder versuche ich zumindest zu leben. Ob jemand die Dinge so macht wie ich oder ganz anders - leben und leben lassen, solange niemand zu Schaden kommt ... auch wenn's manchmal gar nicht so einfach ist.


In der Lehre habe ich keinen bestimmten Schwerpunkt, aber ich mag die theoretische Auseinandersetzung - also wirklich Modelle und Theorien und die Verknüpfung mit der Praxis. Am liebsten habe ich Clinical Reasoning unterrichtet, weil es darum geht, Entscheidungen begründen zu können. Und Sexualität dabei mitzudenken, würde ich mir in dem Zusammenhang richtig spannend vorstellen. Ich hoffe es ergibt sich irgendwann nochmal die Möglichkeit. 


Laptop aufgeklappt mit Schrift "Eure Assoziationen" von Fortbildung Fachtherapeut:in für sexuelle Gesundheit

Du warst auch in der Fortbildung zur Fachtherapeut*in für sexuelle Gesundheit - was hast Du Dir mitgenommen und inwiefern hat die Fortbildung vielleicht auch etwas in deiner therapeutischen Arbeit verändert?

Die Fortbildung hat mich überhaupt erst dazu ermutigt, und im Nachhinein: befähigt, Sexualität in der Therapie zu thematisieren. Ich bin ehrlich gesagt ganz froh, dass ich das vorher noch nicht so gemacht habe.
Und sie war letztlich auch der ausschlaggebende Punkt, der mich zurück in die Praxis gebracht hat.

Wenn Du einen Wunsch frei hättest für die Ergotherapie - was wäre das?

Rahmenbedingungen, die Akademisierung wirklich ermöglichen und strukturell stärken. Ich habe mal einen Artikel von Annette Probst gelesen, in dem sie sinngemäß schrieb, dass man sich eigentlich nur eine Frage stellen muss: Möchte ich, dass Therapeut*innen evidenzbasiert arbeiten? Wenn die Antwort ja ist, führt kein Weg an der Hochschule vorbei. Zudem braucht "reflektierte Praxis" als Bildungsziel eben auch eine bestimmte Grundlage … und die lässt sich mit akademischen Strukturen flächendeckend zumindest eher sichern. 


Wobei ich nicht sagen will, dass Ausbildung per se schlecht ist … und einfach nur „Akademisierung“ würde ich auch nicht rufen wollen. Dafür bräuchte es eben zunächst die Rahmenbedingungen, wie eben beispielsweise genug und ausreichend qualifizierte Lehrende, die das tragen könnten. Das eine ohne das andere funktioniert meiner Meinung nach nicht.


Vielen Dank liebe Sophia für das Interview und dass Du Dich vorgestellt hast - ich freue mich auf alles was unsere Zusammenarbeit bringen wird! Und an die Lesenden: sehr bald werden wir im coitoergosum Podcast eine Aufnahme zu Sophias Herzensthema aufnehmen Ethische Verantwortung in therapeutischen Berufen.




 
 
 

Kommentare


  • facebook
  • instagram
  • generic-social-link

©2026 coitoergosum - Sexpositive Ergotherapie Berlin I Katja Stolte    

 Impressum   I   Datenschutzerklärung  

Meine Praxis, Fortbildungen und Workshops sind offen für Menschen jeder Herkunft, jedes Alters,  jeder sexuellen Orientierung und jeder sexuellen Identität. Ich arbeite gender-, diskriminierungs- sowie traumasensibel.

bottom of page