top of page

Sexualität, Beziehung & Supervision: Wie die Kunsttherapie das Thema angehen kann

  • Autorenbild: Katja @ coitoergosum
    Katja @ coitoergosum
  • 17. Apr.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 18. Apr.

Wenn das Wort „Sexualität” im Therapieraum auftaucht — als Bild, als Symbol, als zögernd gesprochener Satz — dann ist da meistens etwas Wichtiges. Nicht etwas Heikles. Etwas Wichtiges.


Ich bin Ergotherapeutin mit Fachschwerpunkt sexuelle Gesundheit, und heute zeichne ich mit Theresa Doyle meinen Vortrag für den diesjährigen Kunsttherapiekongress auf — über Sexualität, Beziehung und Selbstfürsorge. Für Kunsttherapeut:innen. Nicht weil ich meine, dass ihr das Thema nicht kennt. Sondern weil ich glaube, dass viele von euch es kennen — und trotzdem selten explizit benennen. Dieser Beitrag ist eine Einladung, das zu ändern.


Ein nackter Körper liegt in sich zusammen gerollt mit den Armen nach vorn gestreckt und guckt zur Seite.

Sexualität in der Therapie: Sie ist immer schon da


Sexualität begegnet mir in meiner Arbeit sehr oft. Mal explizit, wenn jemand direkt davon spricht. Mal implizit — wenn es um Körperbild geht, um Nähe, um Beziehung, um das Gefühl, begehrenswert zu sein oder sich selbst fremd zu werden.


Ich vermute, dass das in der Kunsttherapie nicht anders ist. Bilder sprechen oft das aus, was Worte noch nicht können. Körperteile, Farbdynamik, die Art, wie jemand mit Material umgeht — all das kann etwas tragen. Etwas, das mit Intimität, mit Sexualität, mit dem eigenen Körper zu tun hat.


Die Frage ist nicht, ob das Thema da ist. Die Frage ist: Wie schaffen wir als Therapeut:innen einen Raum, in dem die Person selbst benennen kann, was da ist?


Eine flauschige Klitoris liegt während einer Inhouse Fortbildung für Sexualpädagogik  während sich Katja Stolte mit den Teilnehmenden befasst.

Sexualität in der Kunsttherapie ansprechen: Eine erlernbare Kompetenz, kein Persönlichkeits-merkmal - in Fortbildung & Supervision


Ich höre oft den Satz: „Ich bin halt kein Typ, der so offen über Sexualität reden kann.” Das halte ich für einen Mythos — und für einen bequemen dazu. Bequem, weil er uns davon entlastet, uns damit auseinanderzusetzen.


Souverän über Sexualität sprechen ist eine erlernbare professionelle Kompetenz. Keine Frage von Persönlichkeit, von Mut oder von einer bestimmten Lebensgeschichte. Es ist eine Frage von Übung, Sprache und Reflexion.


Ich erinnere mich gut an Situationen früh in meiner therapeutischen Arbeit, wo mir regelrecht der Atem stockte — nicht weil ich schockiert war, sondern weil ich schlicht nicht wusste, wie ich etwas benennen sollte. Dabei hatte ich meine Abschlussarbeit über das Thema Sexualität als bedeutungsvolle Betätigung in der Ergotherapie geschrieben. Das war dann der Moment, in dem ich begann, mich gezielt weiterzubilden. Sprache für Sexualität zu finden ist kein Talent. Es ist Übung. Und diese Übung lohnt sich — nicht nur für die Klient:innen, sondern auch für uns selbst.



Was unser Körper kommuniziert, wenn wir schweigen


Klient:innen sind hervorragende Beobachter:innen. Wenn ich anfange, meinen Blick zu senken, schneller zu reden oder das Thema umzuleiten, sendet das eine klare Botschaft: Das darf hier nicht sein.


Das ist fatal — denn genau dann braucht die Person vielleicht am meisten den Raum.

Umgekehlt gilt: Wenn ich ruhig bleibe, wenn mein Atem gleichmäßig ist, wenn ich das Thema ohne Aufregung aufnehme — dann erlaubt das der anderen Person, es auch zu tun. Entspanntheit überträgt sich. Scham übrigens auch.


Das ist keine moralische Forderung. Es ist eine praktische Ermutigung. Wer möchte, dass Klient:innen Sexualität ansprechen können, muss selbst in der Lage sein, es zu empfangen — ohne dass der eigene Körper signalisiert: Bitte nicht. Und über Sexualität sprechen können wir lernen, ob in der Ergotherapie oder Kunsttherapie, in Fortbildung und Supervision.



Selbstfürsorge im Bereich Sexualität: Was das konkret bedeutet


Therapeut:innen, die im Bereich Intimität und Sexualität arbeiten — oder arbeiten wollen — brauchen mehr als gute Absichten. Sie brauchen eine eigene Praxis der Selbstfürsorge und professionellen Reflexion.


Für mich gehört dazu zweierlei:

Die persönliche Ebene: Rituale, die den Übergang zwischen Praxis und Privatem markieren. Das kann ein kurzer Spaziergang sein, ein bewusstes Atemmoment, fünf Minuten mit einem Tee. Klingt simpel — ist aber wirksam.


Die fachliche Ebene: Supervision. Für mich ist das keine Option, sondern Pflicht — besonders wenn ich in einem Bereich arbeite, der so nah am Menschen ist wie Sexualität und Intimität.



Fortbildungsteilnehmende lernen in Supervision und Fortbildung über Sexualität in der Therapie 
zu sprechen,
Fortbildung und Supervision zu Sexualität

Supervision für Sexualität und in Kunsttherapie und anderen Bereichen: Eine Bestandsaufnahme


Hier muss ich etwas ansprechen, das mich wirklich beschäftigt: Es gibt relativ wenig Supervisionsangebote, die das Thema Sexualität wirklich fachlich halten können.


Viele Therapeut:innen gehen in Supervision — aber Sexualität als Thema wird dort kaum explizit aufgegriffen. Entweder weil die Supervisorin selbst unsicher ist, oder weil die Supervisandin es nicht traut anzusprechen. Beides ist nachvollziehbar. Beides ist ein Problem.

Weil ich das aus eigener Erfahrung kenne, habe ich ein Supervisionsangebot entwickelt, das sich gezielt mit Sexualität und Intimität in therapeutischen Kontexten befasst — für Therapeut:innen, die in diesem Bereich arbeiten oder arbeiten wollen. Einzeln und in der Gruppe. Weil ich weiß, wie viel es bringt, wenn man das in einem kompetenten Rahmen reflektieren kann.


Das Angebot werde ich in Kürze auf meiner Website veröffentlichen. Wenn du schon jetzt Interesse hast, melde dich gerne direkt bei mir.


Was ich mir für unsere Berufe wünsche


Ich wünsche mir Entstigmatisierung auf der Ausbildungsebene. Dass Sexualität nicht mehr das Thema ist, das irgendwann mal in einem Wahlkurs gestreift wird — sondern dass es als das behandelt wird, was es ist: ein zentrales Lebensthema, das in der therapeutischen Arbeit unweigerlich auftaucht.


Konkret: mehr Raum in Curricula, mehr supervisorische Begleitung, mehr Kolleg:innen, die sich trauen, darüber zu reden. Wir können damit anfangen. Jedes Gespräch ist ein Schritt — auch dieser hier.


Fazit: Intimität und Sexualität gehören in den therapeutischen Raum


Egal ob Ergo- oder Kunsttherapie: Sexualität ist kein Nischenthema. Sie ist ein menschliches Grundthema — und damit ein therapeutisches. Wer professionell mit Menschen arbeitet, begegnet dem Thema potentiell. Die Frage ist, ob wir vorbereitet sind, sie anzunehmen.


Ich freue mich auf den Austausch beim Kunsttherapiekongress — und darauf, gemeinsam mit euch zu üben, was sich vielleicht noch fremd anfühlt: laut darüber sprechen.


Du möchtest das Thema Sexualität professionell in deine therapeutische Praxis integrieren — und dabei nicht allein sein?


Ich biete bald Supervision für Therapeut:innen im Bereich Sexualität und Intimität an — als Einzelsupervision und in der Gruppe. Wenn du auf dem Laufenden bleiben möchtest, melde dich gerne bei mir oder folge mir auf Instagram.


Und wenn du mehr über meine Arbeit, meine Fortbildung Fachtherapeut:in für sexuelle Gesundheit oder das OPISI-DE Assessment erfahren möchtest: All das findest du hier auf meiner Website.



Ergotherapeutin und Supervisorin sowie Dozentin Katja Stolte aus dem Bereich Ergotherapie.

Ich bin Katja, Ergotherapeutin B.Sc. mit Fachpraxis für psychische und sexuelle Gesundheit in Berlin.


Ich begleite leidenschaftlich gern Menschen aller Identitäten und Orientierungen mit psychischen und sexuellen Herausforderungen.


Außerdem gebe ich ein Mal im Jahr die Fortbildung zum:zur Fachtherapeut:in für sexuelle Gesundheit in Berlin und freue mich, wenn auch Du den Weg in meine Praxis oder Fortbildung für Ergotherapie findest. Außerdem biete ich Supervision für Therapeut:innen im Bereich psychische und sexuelle Gesundheit an.



 
 
 

Kommentare


  • facebook
  • instagram
  • generic-social-link

©2026 coitoergosum - Sexpositive Ergotherapie Berlin I Katja Stolte    

 Impressum   I   Datenschutzerklärung  

Meine Praxis, Fortbildungen und Workshops sind offen für Menschen jeder Herkunft, jedes Alters,  jeder sexuellen Orientierung und jeder sexuellen Identität. Ich arbeite gender-, diskriminierungs- sowie traumasensibel.

bottom of page